Bestellen WER 6527 2, Erscheinungsjahr: 1996
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Programm der CD
Zur Musik
Nicolaus Richter de Vroe, eine der stärksten Begabungen unter den jüngeren Komponisten aus Sachsen, trat seit Mitte der achtziger Jahre vor allem mit instrumentaler Kammermusik hervor. Und auch im Westen machte er plötzlich von sich reden, nachdem er 1985 beim Kölner Kompositionswettbewerb "Junge Generation in Europa" einen Preis gewonnen hatte.
Zuvor hatte Richter de Vroe die Spezialschule für Musik (mit Hauptfach Violine) in Dresden besucht, dann die Hochschule und schließlich fünf Jahre das berühmte Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium. Hier gab es viel Gelegenheit, Moderneres als in Dresden wahrzunehmen ... Auch Cage kam zur Sprache und nun begann Richter de Vroe, in die Gedankenwelt des Zen-Buddhismus einzudringen ...
Alles in allem überwiegen in den Stücken Richter de Vroes subversive Momente gegen eingeschliffene Konventionen des Komponierens, Spielens und Hörens. Sie reichen von der vorzugsweisen Erkundung der Regionen des Geräuschhaften - von der individuellen, detaillierten Spiel-Aktion (gegenüber einer kollektiv erzeugten Gefühls-Masse al fresco) - bis hin zur inkohärenten, frei geordneten, labyrinthischen Gestaltung der musikalischen Verläufe. Es gibt, trotz explosiver Kraft, eine vorherrschende Gestik der Gewaltlosigkeit, gepaart mit dem Hang zum Subtilen, Fragilen und ziellos Statischen, was damals - zumindest in der Musik der DDR - eine völlig neue Qualität besaß, aber darüber hinaus von allen probaten Formen eines aggressiv ideologischen Komponierens abwich.
Frank Schneider
Lebenslauf (Stand: Erscheinungsjahr der CD)
| 1955 | in Halle (Saale) geboren | |
| musikalische Grundausbildung an der Spezialschule für Musik Dresden (Hauptfach Violine) | ||
| 1972-73 | Kompositionsstudium an der Hochschule für Musik Dresden | |
| 1973-78 | Violinstudium am Tschaikowsky-Konservatorium Moskau | |
| 1978-80 | freie Mitwirkung in Kammermusik-, Improvisations- und Experimentalensembles | |
| 1980 | Geiger in der Berliner Staatskapelle | |
| Fortsetzung des Kompositionsstudiums an der Akademie der Künste der DDR bei Friedrich Goldmann | ||
| Seminare über Elektronische Musik mit Georg Katzer | ||
| 1982 | Initiator und Mitglied des Ensembles für Neue Musik Berlin | |
| 1985 | Preisträger beim Kompositionswettbewerb „Junge Generation in Europa"; seither Live-Aufführungen der Orchester- und Kammermusikwerke bei sämtlichen ARD-Rundfunkanstalten und namhaften Festivals für Neue Musik, u.a. beim Festival d'Automne Paris, der Biennale Venedig, den Donaueschinger Musiktagen (1988, 1994), dem Steirischen Herbst Graz (1989, 1991, 1994), den Wittener Tagen für Neue Kammermusik (1991, 1995), der Biennale Berlin (1984, 1993) und bei "Klangaktionen Neue Musik" München | |
| 1988 | Engagement als Geiger im BR-Symphonieorchester München | |
| 1990 | Gründung des XSEMBLE München, mit dem er u.a. Werke von Cage, Feldman, Goldmann, Kagel, Scelsi, Schnebel, Rihm, Wolff aufführt. | |
| Zahlreiche Uraufführungen von Werken junger Komponisten. | ||
| Homepage: www.nicolaus-richter-de-vroe.kulturserver.de | ||
Werkliste (Auswahl, Stand: Erscheinungsjahr der CD)
| 1984-91 | TETRAД I-III | |
| für diverse Quartette | ||
| Durchlässige Zonen (I) | ||
| für 13 Instrumentalisten | ||
| 1985 | Aus weißen Listen | |
| für sechs Spieler | ||
| 1986 | lum'q'uart'inance | |
| (2. Streichquartett) | ||
| Zu Fuß nach Island | ||
| Musikalische Grafik realisierbar von zwei Instrumentalisten oder zwei Instrumentalgruppen | ||
| 1988 | Isole di rumore | |
| für Orchester | ||
| Durchlässige Zonen (II) | ||
| für Orchester | ||
| 1989 | Kondukt/-Sprengung | |
| für elf Streicher und elf Schlagzeuger | ||
| 1990 | Fragment/Seismogramm in memoriam Luigi Nono | |
| für Bassflöte, Pauke, Glocken, Gitarre und Viola | ||
| Dezemberheft | ||
| für Altflöte, Gitarre, Schlagwerk und Violoncello | ||
| 1990/91 | Auf tönender Physis | |
| für Violine und Kontrabass | ||
| 1991 | Illuminarticulagestical # 1 | |
| szenische Klangaktionen | ||
| 1991 | Dark Matter | |
| für Klavier (drei Spieler) und zwei Schlagzeuger | ||
| 1991/92 | Shibuya Movements | |
| für Orchester | ||
| Naiss'orchestr'ance | ||
| für 52 Instrumentalisten | ||
| 1992 | Wabi-Textur l: Grundstück | |
| für Kontrabass solo | ||
| Auflösung des Dezemberheftes | ||
| 1993 | Wie still ist es? | |
| für Viola, Violoncello und Kontrabass | ||
| Entfernt: Tänze | ||
| für Ensemble | ||
| Zwei Metallstücke | ||
| für E-Gitarre | ||
| 1994 | Rinzai | |
| Porträtstudie mit Endklang | ||
| für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Trompete, Posaune, Gitarre und Klavier | ||
| Air Areas | ||
| für zwei Trompeten, zwei Hörner, zwei Posaunen und Tuba | ||
| Babylonkomplex-Kathartischer Raum l | ||
| für zehn Schlagzeuger und Videoprojektion (mit Wolfgang Flatz) | ||
| 1995 | Blindschrift - - -> Luftrelief | |
| für Ensemble | ||
| Wooden interlude | ||
| für zwei Marimbaphone | ||
| Siren Tears | ||
| für Klavier, Violine und Violoncello | ||
| 1995/96 | Counter Parts | |
| Elaborinth of Shakespeare's sonnets | ||
| (mit Blixa Bargeld) | ||
| Wabi-Textur II: Berührungen | ||
| für zwei Instrumentalisten (Schlagzeug, Klavier) | ||


